Grüsse aus der südlichsten Stadt der Welt


¿Cómo va?, ¡queridos!
Kaum aus Buenos Aires heraus, strebten wir per Bus mit Volldampf Bariloche und damit unsere erste, und sehr typische, sprich touristische, Station im wundersamen und -vollen Patagonien an. Bariloche liegt an den Ufern des riesigern Sees "Nahuel Huapi" (den seht ihr auch noch mal auf dem allerersten Bild aus der Vogelperspektive). Wir machten eine Tour auf die Insel Victoria und...
..in einen Nationalpark voller Baeume (Myrten; Luma apiculata) mit zimtfarbener Rinde (Parque Arrayanes) und..
..Redwoods!!

In Bariloche trafen wir unsere dänische zeitweise Reisegefährtin Nanett (hatten uns in Rosario kennengelernt). Zusammen mit ihr fuhren wir, nach kurzer Erkundung des extrem auf Touristen mit viel Geld ausgerichteten Städtchens San Carlos de Bariloche, mit frisch gemietetem Auto Richtung San Martín de los Andes, um den Camino de los 7 Lagos, den Weg der 7 Seen, zu bestreiten. Insgesamt wars auch sehr beeindruckend, um nicht zu sagen pittoresque, leider hatten wir nicht sehr viel Zeit, da erstens Auto mieten sehr kostenspielig war und zweitens Nanett auf Grund ihres baldigen Fluges auch schleunigst zurück musste. So verbrachten wir viel Zeit im Auto und schauten stauenend durch die Staubwolken, die wir auf Grund der zu grossen Teilen aus Schotter bestehenden Strassen erzeugten, auf klare Seen, den LanínVulkan und die Anden-Cordillera im Hintergrund.

Hier: Lago Falkner


Vulkan Lanín mit ca. 3400 m

Campen an einem der sieben Seen mit Nanett..

Lange hielt es uns trotzdem nicht in Bariloche, die nächste Station war El Bolsón. Dieses weniger touritische nette Dörfchen in einem wunderschoenen Tal..
..war immerhin auf den Morchilero, sprich den Rucksacktouristen wie wir es ja sind, ausgelegt, was sich in niedrigeren Preisen, weniger Ramschgeschäften und grösserer Auswahl an gemütlicheren Gasthäusern sowie Campingplätzen niederschlug. Hier bestiegen wir in einem zwei-Tages-Trek den Piltriquitrón, den dort grössten Berg (2.260M.ü.N.N.), von dessen Gipfel wir einen fantastischen Ausblick über das Tal mit seinen vielen anderen Bergen, dem Río Azul ("der blaue Fluss") und seinen drei grossen klaren Seen geniessen konnten. Wir uebernachteten in einer gemuetlichen Berghuette voller selbstgemachter Marmeladen und Likoere.
Endlich oben! Nach den letzten 45 min quaelend steilem Aufstieg ueber Geroell.

Entlohnende Aussicht.

Abstieg joggend, eine Staubwolke produzierend!

Klirrend klares, kristallines, kuehles Krischwasser aus den Kaechen Katagoniens!

Ausserdem lernten wir hier einen weiteren Schweitzer kennen, Beat (nein, nicht Bert!), mit dem wir momentan (wahrscheinlich...) noch unterwegs sind.

Genau, wir hatten aus finanziellen und abenteuerlustigen Gründen beschlossen, in den Süden (bis Ushuaia waren es immerhin noch ca. 2.200 km) zu trampen, sprich per Daumen zu reisen. Beat schloss sich spontan an, und so starteten wir am nächsten Tag dieses Abenteuer zu dritt. Oft mussten wir uns trennen und hatten zwischendurch erhebliche Motivationsprobleme, einerseits auf Grund der sehr niedrigen Verkehrsdichte auf den Strassen in den Süden, andererseits auf Grund der teilweise extrem misstrauischen und garstigen Leute (falls es euch hier runter verschlägt, macht einen Riesenbogen um Esquel, so eine unsympatische, um nicht zu sagen hässliche Stadt (nicht nur im ästhetischen Sinne, ne Jenny;-)
An der Landstrasse findet man immer wieder diese Schreine zur Beschwichtigung der Dämonen.
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Zwischendurch campten wir in der nach ersten Euphorieeinbussen doch sehr eintönigen Landschaft; hier lernt man was das Wort Pampa bedeutet, so heisst dieser Landschaftstyp nämlich tatsächlich: die Pampas, und es ist zumindest in dieser Jahreszeit (trocken trocken trocken) nicht gerade ein Augenschmaus (gelbes Büschelgras, beiges Büschelgras, ockerfarbenes Büschelgras, bräunliches Büschelgras,... so weit das Auge reicht). Kurz vor dem absoluten Frustrationspunkt beim stundenlangen Warten an der staubigen Landstrasse kam das Glück in Form eines dicken LKW-Fahrers, Leo, mit dem wir die nächsten 31 Stunden verbrachten, da er uns bis ganz nach unten bis Ushuaia fuhr (wo wir seit gestern sind). Ja, die Landschaft blieb die nächsten 1.700km erst mal gleich (und bei mir schwankte die Bewertung zwischen "unglaublich, so eine Weite, faszinierend" und "schrottlangweilig, gib mir wenigstens EINEN Baum, ein Schaf, irgendwas"), mit Leo hatten wir dafür lustige und interessante Gespräche (einige Fakten müssten nochmal nachgeprüft werden, aber er konnte schon ne ganze Menge über dieses grosse Land erzählen). Und Leo fuhr und fuhr seinen 28-Tonner, brachte uns über die chilenische Grenze und wieder zurück, da die letzte argentinische Provinz von Chile abgeschnitten ist, hielt nur einmal kurz an, weil wir auf die Fähre warten mussten, die uns rüber nach Feuerland fuhr, aber das waren auch nur vier Stunden Schlaf.

Muede, muede Alex, Muedigkeit souverän meisternder Leo.

Einmal in Feuerland über die aufgewühlte Magellanstrasse packte uns zwei erstens die Euphorie (Feuerland! Magellanstrasse! südlichster Zipfel diese Kontinents! 15-20 Breitengrade seit Buenos Aires zurückgelegt (weiss ich jetzt gerade nicht genau, aber ne Menge! über 3.000km auf jeden Fall)!) und zweitens wurde die Landschaft abwechslungsreicher, es gab wieder Flüsse, Schafe, auch mal Büsche und sogar Bäume. Ausserdem konnte man die Anden wieder sehen und natürlich das unglaublich rauhe Meer.
Feuerlandiger geht's nicht! Weite, leere Lanstrasse mit LKW, Schafe und Gauchos (argentinische Cowbows) ...

In Ushuaia kamen wir gestern erst um 22.00 Uhr an und namen dann das erstbeste Hostel (gleich heute morgen wieder gewechselt).



Nachdem wir die Gegend hier ausreichend erkundet haben werden, werden wir dann mit Abstechern auf die chilenische Seite wieder gen Norden fahren. Uns bleiben ja auch nur noch weniger als 6 Wochen bevor wir dann wieder in den Flieger steigen und nach Hause düsen. So ist es gut möglich, dass dies hier der letzte (wahrscheinlich vorletzte) Blogeintrag wird, aber mal abwarten. Wir machen uns denn los, morgen wird der örtliche Gletscher bestiegen (Glacier Martial) und übermorgen machen wir einen Trek durch den Nationalpark Feuerland (Tierra del Fuego). Viele liebe Grüsse, Thomas und Alex