Thomas La Paz Erlebnisse mit Bildern aus Peru



Hallo an Alle!




Hier also die versprochenen Fotos! Zur Erinnerung (und Berichtigung): Der Colca-Cañon ist gar nicht auf 1.800M, sondern 3.600 (was die Anstrengung erklaert), diese Tour war noch in Peru, danach kam Cusco, Pisaq, der Macchu Picchu, und dann sind wir ueber die Grenze nach Bolivien. Hier ware die erste Station Copacabana am Titicaca-See, dann La Paz, von wo aus Alex ihre Djungel-Tour gemacht hat (in der Reihenfolge sind auch die Bilder).
























































Ausserdem (fuer alle dies interessiert)

eine ausfuehrliche Beschreibung der Zustaende im IDAI, wo ich seit Donnerstag arbeite und der Big-Band-Tour (die Subbis kennen die Beschreibung schon). Da Alex die naechsten vier Wochen unterwegs ist, kommen ihre Erfahrungen in ihrem Projekt nahe Cochabamba (wo sie zeitweise in einer Indigena-Gemeinde lebt und arbeitet, aber genaueres von ihr persoenlich) gesondert (aber bestimmt bald...). Achja, vergessen zu danken haben wir Ta fuer die Headlights (wie konnte ich...) und Moritz und Steffi fuer das Moskitonetz (hat bisher nur die Alex gebraucht (<-- meine Entschuldigung)).


Also hier Big-Bamd und IDAI Beschreibung: Mein Job hier ist echt ne harte Nummer: die Bedingungen in dem Heim sind groesstenteils katastrophal, und nirgendwo wurde mir bisher der niedrige Entwicklungsstand des Landes bzw. das Kaos das entsteht, wenn in einem traditionellen Land nur teilweise kolonialisiert und finanziert wird, so deutlich wie hier. Ich arbeite in der Abteilung "profundo" (also mit Menschen mit "tiefgreifender Entwicklungsstoerung"). Die meisten Kinder und Erwachsenen habe (auto-)aggressive Tendenzen, koennen sich kaum bis gar nicht ausdruecken und sind eben sehr stark in der Entwicklung beeinflusst. Ich behaupte jetzt einfach pro forma (und sehr gewagt nach zweimal dort sein!), dass mindesten die Haelfte so weit gefoerdert werden koennte, dass sie kommunizieren koennten (wenn auch sehr basal), und dass mehr als die Haelfte der Verhaltensauffaelligkeiten von den Umstaenden kommt, in denen sie leben. Die Verhaeltnisse sind ungefaher so, wie ich sie mir nach dem Seminar "Sonderpaedagogik im 19. Jahrhundert in Deutschland" vorgestellt habe: Die Menschen sind ganz oben untergebracht, wo sie keiner sieht, in einem grossen kargen Raum, der aussieht wie ein Gefaengnis mit zwei Sauelen in der Mitte (an denen jeweils ein Kind im Rollstuhl angebunden ist, damit es nicht rausfaellt). In der Mitte sind zwei grosse vergammelte Matratzen, auf denen viele der "Insassen" sitzen. Ca. 15 der knapp ueber 20 Patienten sind fixiert (quasi gefesselte Haende) "damit sie sich und anderen nicht schaden". Man muss durch zwei abgeschlossenen Gittertueren, um zum Profundo-Bereich zu gelangen (mit Waertern, die auf und zuschliessen). Fuer die komplette Gruppe sind zwei "Mamitas" zustaendig, die gar keine Ausbildung haben, die MEnschen manchmal schlagen, ans Bett knoten, o.ae. und ansonsten damit beschaeftigt sind, zu fuettern, aufs Klo zu setzen und irgendwie sauberzuhalten. Wobei wenn jemand sich vollpinkelt, und nach dem Hose wechseln das gleich wieder passiert, wird das schonmal als Provokation gewertet und das Kind (in diesem konkreten Falle) lief die naechsten fuenf Stunden in nasser Hose rum (ich durfte auch nach Diskussion nicht die Hose wechseln). Die Menschen schlafen auch dort in dem Heim, einfach im Nebenraum, gegen den jedes Krankenhaus bei uns aussieht wie ein Vergnuegunspark gekreutzt mit einem Hilton-Hotelzimmer. So was tristes habe ich echt noch nie gesehen. Fuer irgendeine Art von Stimulation oder Abwechslung (oder so einen Luxus wie rausgehen) bleibt ueberhaupt keine Zeit, es sei denn es gibt Volunteere (so wie mich), was wohl ab und zu auch vorkommt, wobei die zuerst in der Baby-Station gebraucht werden. Gerade gibt es insg. vier Volunteere, so dass ich eben dort arbeiten kann, wobei ich haupstaechlich versuche, die Menschen ein bisschen zu animieren, mit ihnen rausgehe, Ball spiele, rumtobe oder auf mir rumkrabbeln lasse. Ausserdem helfe ich beim Essen und beim ins Bett bringen. Alles in allem also keine geistig sehr herausragende Taetigkeit, und irgendwie auch nicht sonderlich entlohnend, da nur einige wenige wirklich Gefuehlsregungen ausdruecken koennen (was soll man erwarten nach 5 bis 40 Jahren ohne jede Stimulation, gefesselt an einen Rollstuhl und als einzige Interaktion gefuettert werden...). Trotzdem fangen schon jetzt einige der Leute an, mir ans Herz zu wachsen und ich gehe sehr gern dort hin (und ich habe ja noch vier komplette Wochen, also mal sehen, was noch kommt, gibt bestimmt auch das ein oder andere Tief!).


Zur Big-Band: Wir sind heute wiedergekommen (um 4.00 nachts, leider konnte ich nicht ausschlafen, da so ein bloeder Israeli ab 9.00 rumgeroedelt hat und kein bisschen ruecksichtsvoll war!). Der Auftritt war super, wir haben anlaesslich einer 100 Jahr Feier vom Cervesa-Potosí gespielt, und die haben alles bezahlt, inklusive Busfahrt, Hotel, Essen... Ich musste mir einen Anzug zusammenleihen und schicke Schuhe kaufen (,am stelle sich das vor: der Thomas in Buegelfaltenhose, weissem Hemd, Sacco, mit Fliege und schicken schwarzen Schuhen...).
Zu deinen Fragen: wir machen total tolle Musik ;-), von alten Big-Band-Sachen (Duke Ellington, Glenn Miller, Frank Sinatra,... bis zu funky neuen Sachen wie Brick-House, Soul Man, Pickin Up the Pieces..., wir haben eine total Super Saengerin, beim naechsten Konzert macht auch noch ein Saenger mit. Das Niveau ist super hoch (Big-Band Bolivia!) Die Leute sind absolut super, wie gesagt bin ich schon in die "Familie" adoptiert, irgendwie echt anders die Leute als bei uns. Super herzlich, total nahbar, sofort am feiern als ich in der zweiten Probe gesagt habe, dass ich mitfahre. Ja, gerade habe ich mit einem Chileno aus der Band getroffen (Jobim), super nett. Endlich auch mal einfach Freundkontakte in Bolivien. Ansonsten bin ich tatsaechlich in die hiesige Musikszene integriert, habe bis jetzt zwei Auftritte mitgespielt (mit den gatos de algodón, den "Katzen aus Baumwolle"), am Dienstag ist ne weitere Jam Session mit der Band vom Jobim (Funky-Jazz-Kram, mal sehen).

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